Stationen demokratischer Umwälzungen

100 Jahre Demokratie in Deutschland “


Am 9. November 1918 dankte Kaiser Wilhelm II. mit dem Ausbruch der Deutschen Revolution und dem verlorenen Weltkrieg ab. Am selben Tag wurde von Philipp Scheidemann die Republik ausgerufen und der Sozialdemokrat Friedrich Ebert zum neuen Reichspräsidenten ernannt. Der Übergang von der Monarchie zur neuen Republik bedurfte einer neuen Verfassung. Die instabilen politischen Zustände im Winter 1918/19 ließen parlamentarische Beratungen in Berlin jedoch nicht zu. Es herrschte Bürgerkrieg. Die Abgeordneten trafen sich deshalb auf dem sicheren Land, in Weimar – die Stadt von Schiller und Goethe – als Symbol des neuen Geistes und der neuen Republik.

Am 19. Januar 1919 kamen dort die Abgeordneten der Nationalversammlung zusammen, und im August 1919 trat die demokratische Verfassung der Weimarer Republik in Kraft.

Die Nachkriegszeit war geprägt von Armut, Hunger, Arbeitslosigkeit und Geldentwertung. Hinzu kamen unzählige Kriegsversehrte, gewaltige Gebietsverluste, hohe Reparationszahlungen an die Siegermächte und das Erstarken radikaler linker und rechter Parteien. Als am 25. Oktober 1929 mit dem Börsencrash die Weltwirtschaftskrise begann, trat die Agonie der Weimarer Republik ein, bis es schließlich am 30. Januar 1933 zur Machtübernahme Adolf Hitlers und dem Ende der Republik kam.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 bahnte sich trotz anfänglicher militärischer Erfolge der völlige Zusammenbruch der Nazidiktatur an. In der Nachkriegszeit waren erneut Jahre der Not zu bewältigen. Alliiertes Militär, Displaced Persons, wie die Esten in Geislingen, Vertriebene und Flüchtlinge mussten unter schwierigsten Bedingungen integriert werden.

Am 1. September 1948 traten 65 Mitglieder der verfassungsgebenden Versammlung in Bonn zusammen. Nach Billigung und Verabschiedung ihres Textentwurfes durch den Parlamentarischen Rat wurde am 23. Mai 1949 das Grundgesetz verkündet und trat am darauffolgenden Tag in Kraft.

Damit war die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Wenige Monate nach der Bildung der Bundesrepublik im Westen, wurde am 7. Oktober 1949 auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone die Deutsche Demokratische Republik, gegründet. Damit standen sich in Zeiten des Kalten Krieges zwei deutsche Staaten gegenüber.

Der sozialistische Osten riegelte sich mit dem ‚Eisernen Vorhang‘ und durch den Mauerbau in Berlin vom Einfluss des kapitalistischen Wirtschaftswunders im Westen ab. Erst mit der Regierungsübernahme der sozial-liberalen Koalitionsregierung unter Kanzler Willy Brandt am 21. Oktober 1969 gelang es, das politische Verhältnis zur DDR durch die Ostverträge neu zu ordnen. Es dauerte noch zwei Jahrzehnte bis schließlich die unsägliche Mauer in Berlin am 9. November 1989 fiel und die Grenzen geöffnet wurden. Diese friedliche Revolution ebnete den Weg zur deutschen Einheit, die schließlich am 3. Oktober 1990 vollzogen werden konnte. Seither pflegen ‚Ossis‘ und ‚Wessis‘ bis heute erfolgreich die demokratische nationale Einheit im Rahmen der Europäischen Union.

Im Rückblick auf diese Ereignisse zeigt sich, dass die ‚9‘ immer wieder zur schicksalsträchtigen Zahl für die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert geworden ist.